Herzlich Willkommen

Forum suche

Suchoptionen anzeigen
  • RE: VorstellungDatum31.01.2010 17:59
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema Vorstellung

    Dann stelle ich mich auch mal vor ...

    Mein Name ist Hartmut, ich bin 38 Jahre alt. Gebürtig komme ich aus Leer/Ostfriesland, lebe aber jetzt (aus beruflichen Gründen) im Exil in Münster ;-)
    Ich fühle mich total wohl hier, Münster ist eine schöne kleine (280.000 Einwohner) Stadt. Sehr fahrradfreundlich, 50.000 Studenten, viel Grün, niedrig bebaut, wirklich nett.
    Ich habe Informatik studiert und arbeite jetzt hier als Software-Entwickler.

    Ich höre gerne Musik (hauptsächlich Rock & Metal), und natürlich lese ich auch sehr gerne und sehr viel. Ich lese jeden Abend eine Weile im Bett, und im Sommer auch total viel draußen.
    Am liebsten lese ich historische Romaen, aber auch sehr gerne Krimis, Thriller und Fantasy.
    Zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehören Ken Follett und Rebecca Gable.
    Ich habe aber auch gerne folgende Sachen gelesen:
    - die Wallander-Krimis von Henning Mankell
    - die "Feuer und Stein"-Reihe von Diana Gabaldon
    - Harry Potter
    - die Ayla-Bücher von Jean M. Auel
    - Dan Brown (Meteor, Sakrileg, Illuminati, Diabolus)
    - Andreas Eschbach
    - im Fantasy-Bereich Alan Dean Foster, David Eddings, Trudi Canavan.

    Wie komme ich hierher: Lea hat mich bei Facebook angesprochen, weil ich mich da als Fan von Rebecca Gable eingetragen habe.
    So, viel mehr fällt mir erstmal nicht ein...

    Viele Grüße,
    Hartmut.

  • 1. Eindruck des BuchesDatum06.02.2010 18:27
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    Ich schreib mal einfach drauflos. Alle meine Eindrücke, ggf. auch die schlechten. Alles, was mir so durch den Kopf geht. Wenn das nicht ok ist so, dann sagt einfach Bescheid ... ;-)

    Ich habe mir gestern mal einen ersten Eindruck des Buches verschafft (bis einschließlich Prolog sowie die ganzen "Extras"). Über den weiteren Inhalt ist hier also noch nichts zu lesen... ;-)
    Ich habe Romane sonst oft einfach verschlungen. Diese Teilnahme an der Leserunde lässt mich das Buch bewusster wahrnehmen. Deswegen schreibe ich diese Eindrücke mal gleich hier auf.

    660 Seiten mit allen drum und dran, das gefällt mir schon mal. Ich mag nicht so gerne 150-Seiten-Bücher, da kann man nicht so schön und lange eintauchen. Ich greife eher zu dickeren Büchern so wie dem hier. Aber für historische Romane ist das ja auch eher typisch.

    Das Cover: Hmmm, eher kitschig. Hätte ich das Buch daraufhin gekauft? Ich weiß es nicht.

    Der Klappentext: 15. Jahrhundert, Mauren und Christen, 2 Kulturen treffen aufeinander. Klingt sehr gut. Viele Spannungsfelder, und eine Zeit blutiger Kämpfe. Das Thema interessiert mich schon mal. Intrigen und Machtspiele gehören auch dazu. Und diesmal nicht aus christlich-abendländischer Sicht, sondern aus Sicht einer jungen Maurin. Das macht das gewisse Extra aus, das für das Buch spricht.
    Der Rest (Hofdame, gefährliche Liebe) klingt ein bisschen nach Frauenroman. Warten wir's mal ab.

    Ein einleitender Spruch des römischen Philosophen Seneca: Sehr schön, mag ich. Tiefsinnig, wahr, etwas zum Nachdenken. Trifft auch heute auf viele Dinge zu, auch im eigenen Leben.

    Vorstellung der Personen: Sehr gut, dass du das an den Anfang gestellt hast. Ist ja nicht bei jedem historischen Roman so. Typischerweise eine Mischung aus fiktiven Personen, eigebettet in eine reale Epoche. So habe ich schon mal eine grobe Vorstellung, was mich erwartet. Viele fremdländische und ungewohnte Namen, die man sich im ersten Versuch schwer merken kann. Aber das bringt das Szenario ja mit sich. Um so wichtiger wird es sein, sie so tief zu beschreiben, dass sie haften bleiben. Bin gespannt...

    Ich habe gesehen, dass es hinten drin eine Zeittafel, Stammbäume, ein Glossar und ein Literaturverzeichnis gibt. Sehr vollständig. Scheint auf den ersten Blick so, als hast du dich sehr intensiv mit dem Thema befasst, und sehr gründlich recherchiert. Finde ich klasse.

    Was zuvor geschah. Ganz kurz und knackig, eine Seite, um das Geschehen grob einordnen zu können. Keine langwierige geschichtliche Lehrveranstaltung, sondern eine Einführung, die Dinge vermittelt, die ich nicht wusste (warum waren die Mauren überhaupt in Spanien). Hat mich sehr positiv überrascht. Das schafft die Voraussetzung, um richtig einzutauchen in die Geschichte.

    Der Prolog. Mitten rein ins Geschehen. Ein Sprung ins - durch die Vorbereitungen nicht mehr ganz so - kalte Wasser. Auch sehr kurz, auf 2 Seiten schaffst du es, Spannung aufzubauen, und neugierig auf den Roman zu machen. Sozusagen der Cliffhanger am Anfang.
    Und dazu die erste wirkliche Leseprobe. Der Schreibstil gefällt mir gut. Schon mal keine Ich-Perspektive (mag ich gar nicht). Spannend und flüssig zu lesen.

    Fazit: Der erste Eindruck ist sehr sehr positiv. Ein interessantes Thema, nicht alltäglich. Das Buch ist mit viel Liebe zum Detail (und zur Geschichte) aufbereitet. Die ganzen oben beschriebenen Details zeugen davon. Offenbar auch sehr intensiv recherchiert. Und dabei nicht geschichtlich-trocken, sondern spannend und knackig. Für mich auf jeden Fall ein gut zu lesender Schreibstil.

    Im Moment sieht es so aus, als ob ich das Buch schnell durchlesen werde, ich freue mich schon darauf ...

  • RE: 1. Eindruck des BuchesDatum07.02.2010 11:40
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    Ich seh dich ... ;-)

  • RE: 1. Eindruck des BuchesDatum08.02.2010 19:37
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    So, ich hab am Wochenende auch mal angefangen, richtig zu lesen.

    Kapitel 1, am Hof des Emirs (Inhaltsangabe spar ich mir mal, haben ja alle gelesen).
    Interessant fand ich die angedeuteten Intrigen (die Spione der Sultanin) und natürlich insbesondere den konflikt zwischen Mauren und Kastiliern, der hier offen zutage tritt und sicher beherrschendes Thema des Buches ist.
    Yazid ist sehr fanatisch, völlig im Gegensatz zu Zahra. Genau so gegensätzlich wie Juan und Gonzalo auf der anderen Seite. Verspricht Spannung und Konflikte. Ist aber sehr deutlich.
    Die erste Begegnung zwischen Zahra und Gonzalo: Sympathie auf den ersten Blick, viele gemeinsamkeiten. Gleitet für mich etwas ins Kitschige (sorry).

    Kapitel 2, zuhause bei Zahra.
    Alles wird sehr als perfekt und vorbildlich geschildert: Gemischte Ehe Moslem/Christin, Verständnis, Liebe, Toleranz gegeüber Juden, freundliche Diener usw. Gegensatz auch hier wieder der fanatische Yazid.
    Wieder extrem schwarz und extrem weiß, keine Zwischentöne. Genauso polarisiert wie Juan + Gonzalo.
    Gegen Ende werden Hayats unglückliche Ehe und Zahras versprochene Ehe erwähnt. Aber so richtig tiefe Verzweiflung wird bei Zahra nicht deutlich. Mag auch Absicht sein, weil sie ja noch sehr jung ist.

  • RE: 2. Abschnitt Seiten 48 - 69Datum08.02.2010 20:07
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 2. Abschnitt Seiten 48 - 69

    Konnte natürlich nach 2 Kapiteln nicht aufhören ...

    Kapitel 3: Im Palast von Isabel.
    Isabel wird sehr plastisch beschrieben, ihre Unnachgiebigkeit gegenüber Andersgläubigen. Vielleicht auch ihre Abhängigkeit oder Manipulierbarkeit durch Berater? Aber eigentlich finde ich, wirkt sie wie eine sehr starke Frau, die ihre Entscheidungen aus Überzeugung trifft. Die diplomatischen Spielchen zwischen Gonzalo und Juan finde ich sehr interessant geschildert.
    Den Gegensatz zwischen Isabels gütigen Beichtvater und dem fanatischen Inquisitor empfinde ich ähnlich wie die Gegensätze Gonzalo - Juan und Raschid - Yazid. Etwas zu einseitig polarisiert.

    Kapitel 4: Deborahs Dorf
    Das Massaker wird hier nicht aktiv beschrieben, sondern die Auswirkungen. Es gibt viele Bücher, wo das Gemetzel zwischen Christen und Sarazenen (oder in diesem Fall Christen und Mauren) in epischer und blutiger Breite beschrieben wird. Insofern überraschend. Und da ich so speziell nach meiner Meinung gefragt wurde:
    Es hat mich sehr positiv überrascht. die Beschreibung ist sehr plastisch, ich hatte Bilder vor Augen: niedergebrannte Hütten, verkohlte Körper, aufsteigender Rauch, totale Stille. Beklemmend, gruselig. Und wie so oft: Sehr viel wirkungsvoller als der direkte Weg. Ein tolles Kapitel.
    Beim Treffen von Zahra und Gonzalo am Ende ergibt er sich Zahra doch sehr leicht. Kein wirklicher Versuch seiner persönlichen Entschuldigung, kein daraus resultierender Streit, kein Versuch, zu fliehen (lahmes Pferd hin oder her, er steht immerhin nur einem 13-jährigen Mädchen gegenüber). Überraschend, und ich hoffe, dass auch Gonzalo noch Ecken und Kanten rauskommen...

    Insgesamt bisher sehr gut zu lesen, die Personen werden so eingeführt, dass man ein klares Bild vor Augen hat, es besteht trotz ungewohnter Namen nie die Gefahr, etwas durcheinander zu kriegen.

    Zwecks besserer Anschauung habe ich einige Dinge bei Wikipedia o.ä. nachgeschlagen: die Alhambra (faszinierende Bilder, Wahnsinn), aber auch Begriffe wie die Vega oder Alcázar. Dieses Nachschlagen habe ich letztmalig bei Dan Brown gemacht (dort waren es wissenschaftliche Dinge, die z.B. das CERN in Genf betrafen). Das ist immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass mich eine Geschichte interessiert und ich mehr erfahren möchte, auch über das Buch hinausgehend. Du hast es also geschafft, mich zu infizieren ...
    Auf der anderen Seite hoffe ich, dass die Gegensätze zwischen schwarz und weiß etwas verschwimmen und komplizierter werden, und dass die Liebesgeschichte zwischen Zahra und Gonzalo nicht zu kitschig wird.

  • RE: 3. Abschnitt Seiten 73 - 107Datum08.02.2010 20:40
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 3. Abschnitt Seiten 73 - 107

    Ich muss feststellen, dass ich es gestern auch nach den ersten 4 Kapiteln nicht geschafft habe, aufzuhören ... tsss tsss tsss...
    Das erklärt auch den etwas müden Arbeitstag heute. Das kannst du getrost als sehr gutes Zeichen sehen...

    2. Teil, Kapitel 1:
    3 Jahre sind vergangen. Eine lange Zeit für ein so junges Mädchen. Was in der Zwischenzeit passiert ist, klärt sich vielleicht im Laufe der folgenden Kapitel. Zumindest ist mal die Hochzeit abgesagt, aber das nächste Unheil droht schon. Vom Regen in die Traufe. Aber immer noch die Hoffnung, dass Ibrahim nicht zurückkehrt.
    Hayats Flucht aus Fès. Eine Zusptizung der Situation, ungewöhnlich für damalige Frauen denke ich. Hat vielleicht etwas mit dem in vielen Beziehungen offenen und toleranten Elternhaus zu tun, dachte ich zuerst. Andererseits ist sie ja nur Zahras Halbschwester, hat also keine christliche Mutter. Vielleicht war der Leidensdruck auch einfach zu groß. Und das scheint ja nun wirklich so gewesen zu sein. Und toleranz hin oder her, wenn es um Traditionen geht und um die Rolle der muslimischen Frau, kommt die andere Seite des Vaters zum Vorschein. Sehr traditionsbewusst, sehr streng. Die zukunft seiner Tochter ist seine Entscheidung. Klasse Entwicklung des Charakters.
    Der Konflikt zwischen Raschid und Yazid eskaliert. Auch Raschid ist heißblütig. Sehr gut geschrieben. Dazu die Drohung von Yazid am Ende, wieder so ein Cliffhanger wie ganz am Anfang.
    Tolles Kapitel, wie schon das davor.
    Nebenbei ein Kapitel, in dem man in den Nebensätzen viel lernt, das muslimische Scheidungsrecht der damaligen Zeit ist nur ein Beispiel dafür.

    Kapitel 2
    Yazid wird nicht nur in seinem Fanatismus beschrieben, sondern auch in seiner Hinterhältigkeit (mit dem Schutzring) und seinen Vorurteilen gegen Juden und Christen. Sehr plastisch.
    Interessantester Charakter bisher: Zahras Vater. Hier hin- und hergerissen zwischen der Verletzung der Familienehre durch Hayat und der Liebe zu seiner Tochter, nicht umsonst lässt er ihr eine Hintertür offen.
    Auf der anderen Seite genau so hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Raschid und dem erstmal offensichtlichen Verrat. Während Leonor und Zarah Raschid vertrauen, ist er noch zu tief in seinen Wurzeln verankert, was Ehre angeht. Faszinierend.

  • RE: 4. Abschnitt Seiten 108 - 156Datum08.02.2010 21:02
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 4. Abschnitt Seiten 108 - 156

    Kapitel 3: Rückkehr der Truppen nach der Einnahme Zaharas

    Der Siegeszug der Mauren. Glanzvoll der Emir, frierend und elendig die Gefangenen. Die Erleichterung der Soldaten nach der gewonnen Schlacht lebt sich in Brutalität gegenüber den Gefangenen aus. Sehr bildhaft beschrieben.
    Mittendrin Hayats Gefühle für den christlichen Sklaven. Wenn ich an Hayats Vater denke, schwant mir jetzt schon böses ... das wird kein gutes Ende nehmen ... oh-oh ...
    Mittendrin (Seite 117) ein toller Vergleich von Zahras Leben mit einem Maschrabiya-Gitter. Ist mir beim ersten Lesen gleich aufgefallen. schon fast philosophisch. Habe mir im Nachgang noch einige Fotos solcher Gitter angesehen, die ja teilweise sehr kunstvoll sind. Der Vergleich ist klasse und hat mich berührt.
    Am Ende des Kapitels die Weissagung des Santon. Dunkel, unheilvoll, schicksalhaft.

    Zu dem Kapitel eine Frage: Auf Seite 114 schreibst du: "Königin Isabels Chronist Bruder Antonio Agapida könnte später über den Siegeszug der Mauren geschrieben haben: ..."
    Wieso könnte? Heißt das, dass er das geschrieben hat, aber über einen anderen Siegeszug? Aber es werden doch Granada, Zahara und Hassan konkret erwähnt.


    Auf Seite 124 endlich geschieht das unfassbare: Meine Vernunft siegt, und ich zwinge mich dazu, doch noch etwas zu schlafen.
    Ich werde dann die Tage hier weiter schreiben ...

  • RE: 4. Abschnitt Seiten 108 - 156Datum09.02.2010 20:03
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 4. Abschnitt Seiten 108 - 156

    Kapitel 4: Die Befreiung von Miguel

    Sehr starke Entwicklung des Charakters Hayat. Wirkte sie vorher auf mich eher ruhig und leidend, auch wenn sie den Schritt gewagt hat, aus Fès zu fliehen, wird sie jetzt aktiver und mutiger. Oder vielmehr wird sie dazu getrieben. Schönes Motiv: Wie weit kann einen Liebe oder Verzweiflung treiben? Sie wächst damit schon ein bisschen über sich hinaus.
    Sehr spannend dazu, bange stellt man sich die Frage: Haben Hayat und Miguel genug Vorsprung? Die Verfolger sind ihnen ja doch relativ knapp auf den Fersen. Wird das reichen? Und kommt Hayat überhaupt zurück? Oder fliehen die beiden ganz und gar zusammen?

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum09.02.2010 20:10
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    Kapitel 5: Die Schlacht um Alhama
    Eine Provokation gibt die nächste, der Konflikt zwischen Mauren und Kastiliern schaukelt sich hoch. Keiner unterbricht diese Spirale, und man befürchtet schon, dass das nuir ein bitteres Ende nehmen kann. Irgendwie fühle ich mich dabei an die heutige Situation zwischen Israelis und Palästinensern erinnert ...
    Die Belagerung und der Durst sind sehr gut geschildert, ich kann es mir förmlich vorstellen. Genau wie die vorherigen Versuche der Mauren, die Mauer zu nehmen.
    Die Schlacht selber ist wieder sehr (!) kurz gehalten. Eigentlich nur ein Satz. Ein spannendes Kapitel wird damit sehr schnell aufgelöst.

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum09.02.2010 20:37
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    Kapitel 6: bei Aischa im Comaresturm
    Nach dem kriegerischen letzten Kapitel sind hier wieder mehr Intrigen und Politik gefragt.
    Die Zeichen zeigen immer mehr auf einen umsturz. Aber wie soll man Boabdil einschätzen, den man bisher nur "aus zweiter Hand" einschätzen kann? Das Bauchgefühl ist eher positiv, vielleicht auch, weil Aischa eine sehr kluge Frau ist. andererseits scheint er etwas weichlich, so dass ich nicht weiß, ob ich ihm diese rettende Rolle, die ihm von Aischa und einigen anderen zugedacht ist, wirklich zutraue.

    Beim Schreiben merke ich, dass ich auch von Boabdil schon eine unheimlich klare Vorstellung vermittelt bekommen habe. Genau wie von Kardinal Mendoza, der ja auch nur ganz kurz aufgetaucht ist. Offenbar verstehst du es unheimlich gut, Charaktere auch ohne lange Ausschweifungen oder (bisher) umfangreiche Auftritte auf den Punkt genau und in unheimlich kurzer Zeit zum Leser zu transportieren. Und das dann noch quasi unterbewusst. Wow !!!

    Weiter geht's mit Aischa, Auch eine interessante Frau. Nicht offensichtlich mächtig, eher im Hintergrund agierend. Leise, aber einflussreich. Nicht offen und lautstark wie Yazid. Aber dadurch nicht weniger gefährlich. Mit klaren Zielen.
    So bietet sie Zahra die Chance, nicht nach Marokko zu Ibrahim zu müssen. Aber nicht, um ihr einen Gefallen zu tun, sondern weil es ihren eigenen Zielen dient. Persönlich glaube ich, dass sie Zahra gut leiden kann, aber dass sie im Zweifelsfall auch sehr genau weiß, was sie will, und dass sie sich auch nicht scheut, Zahra (und jeden anderen) dafür zu manipulieren oder auszunutzen.

    Und clever ist sie auch, das zeigt die giftige Auseinandersetzung mit Isabel de Solís. Ich hätte jetzt gesagt "Zickenkrieg", aber das sollte ich als einiziger männlicher Teilnehmer hier nicht schreiben ...
    Außerdem ist es weit mehr. Ich habe es als geradezu tödlichen Ernst und auch Hass empfunden, was zwischen den beiden herrscht. Eine Fass, das auch noch Explosionspotential bietet. Eine sehr schöne Szene.

    Zahra stolpert also recht unversehens und unabsichtlich von einer Aktion (die Befreiung von Miguel) in die nächste, noch größere. Als kleines Mädel in die große Politik sozusagen. Angangs zweifelnd, aber dann, wenn es drauf ankommt doch mutig.
    Und am Ende des Kapitels soll sie sich dann noch unverschleiert in die Öffentlichkeit wagen. Wahrscheinlich hat sie das noch nie gemacht, und es widerspricht allen Grundsätzen und jeder Erziehung. Erstaunlich, dass Amina überhaupt eine solche Idee hat. Bei der Befreiung von Miguel hatte sie mehr Bedenken. Und auch erstaunlich, dass Zahra sich nicht mehr dagegen wehrt. Ich hätte das für (fast) komplett unmöglich gehalten.

    Am Ende noch etwas, was mir auffiel: Hayat ist wieder zuhause. Offenbar ist ihr die Flucht gelungen. Dieser Handlungsstrang wurde gar nicht aufgelöst. Und das, wo ich doch so gespannt war ;-)
    Wie hat sie es geschafft, die Wachen zu bestechen? Hat der knappe Vorsprung gereicht, oder wurde es nochmal eng? Wohin ist Miguel geflohen?

    P.S.: An der Länge meines Textes merkst du, dass das Kapitel mich sehr bewegt hat ...

  • RE: 1. Eindruck des BuchesDatum10.02.2010 18:18
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    Wo Daniela es gerade anspricht: Eine Karte macht sich auch immer gut bei historischen Romanen. Hast du bewusst darauf verzichtet?

  • RE: 1. Eindruck des BuchesDatum10.02.2010 19:48
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    Und wir sehen andersrum mal, was für ein wahnsinniger Aufwand sich dahinter verbirgt, ein Buch zu schreiben. Zumindest, wenn man es richtig macht ...

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum10.02.2010 20:00
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    So, wo war ich denn hier stehen geblieben ... *gg*

    Kapitel 7: Boabdil
    Zahra und Kafur kommen bei Kafur an, nach einer Episode mit den Wegelagerern.
    Boabdil scheint etwas überfahren von der Vorstellung, mit kommen zu müssen in die Alhambra und braucht offenbar Zeit, sich daran zu gewöhnen. Er scheint erstmal so, wie ich ihn mir auch vorgestellt hatte: zögerlich, eher ein Schöngeist. Aber auch aufgeschlossen gegenüber neuem, wie z.B. an den Gemälden zu sehen. Auch gibt es für mich wieder einen Hinweis auf die berechnende Art von aischa, nämlich die Hochzeit von Boabdil mit Morayma.

    Fragen, die sich nebenbei ergeben haben:
    Verbietet der Koran tatsächlich die Abbildung von Personen und Tieren? Auch heute? Wie ist es denn dann mit Fotos, Zeitungen usw.?
    Und schreibt er Frauen tatsächlich das Epilieren vor? Erstaunliche Dinge, die man so nebenbei lernt!

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum10.02.2010 20:18
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    Kapitel 8: Boabdils Rückkehr

    Boabdil wehrt sich letzten Endes doch nicht groß und kommt mit. Es wird auch beschrieben, dass er während der Reise weiter an Entschlossenheit gewinnt.

    Was mir ins Auge sprang, war der Ausruf von Zahras Vater auf der Seidenfarm: "Was, beim Satan, hat meine Tochter mit dem Sohn des Emirs zu tun" (oder so ähnlich). Gibt es im Islam eine 1:1-Entsprechung des Teufels? Wird er auch tatsächlich so in der Sprache benutzt, wie bei uns der Teufel?

    Dann folgt Boabdils Machtergreifung. Sie wird in 3 Sätzen angedeutet, wie auch bei der Schlacht um Alhama. Ich denke, das machst du bewusst so. Bei der anfänglichen Szene in Deborahs Dorf wurde die Schlacht auf eine andere, indirekte Art beschrieben, nämlich durch die Nachwirkungen. Das war klasse und sehr wirkungsvoll. Hier wird sie so gut wie gar nicht beschrieben, und irgendwie fehlt sie.
    Genauso wird Hassans Versuch, die Stadt zurückzuerobern, sehr kurz abgehandelt.
    Scheint mir, als "drückst" du dich da ein bisschen ...

    Erstaunlich die Bitte des Vaters, dass Zahra Ibrahim eine Chance geben solle. Das hätte ich nicht erwartet, ich dachte, er würde es einfach einfordern mit seinem Selbstverständnis muslimischer Männer, dass das familienoberhaupt entscheidet. Zumal er vorher gegenüber Hayat (?) ja sehr klar gesagt hatte, dass er entscheidet, was sie zu tun hat.

    Bei der Szene am Ende habe ich mich gefragt: Hätzte Yazid Zahra tatsächlich getötet, wenn Abdarrahman nicht dazwischen gegangen wäre ? Würde er so weit gehen? Schön, dass diese Frage offen geblieben ist.


    So, danach konnte ich dann doch nicht länger wach bleiben. Das Blutspenden macht mich dann doch immer müde am gleichen Abend ...

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum10.02.2010 23:23
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    Liebe Lea,

    ganz ganz vielen Dank für die Mühe, die du dir auch hier machst mit den ausführlichen Antworten. Finde ich total super.

    Bei Abdarrahman bin ich ja froh, dass es bei ihm in Resignation umgeschlagen ist und nicht in Trotz. Hätte ja auch sein können, dass er bei den vielen 'Problemen' mit seinen Töchtern dann ganz dichtmacht und ihnen einfach befiehlt, was sie zu tun haben.
    Aber wahrscheinlich kennt er sie auch einfach gut genug, um zu wissen, dass er sie damit komplett verlieren würde. Das haben ihre mutigen Aktionen ja auch gezeigt.

    Ja, und bei Yazid hatte ich auch das Gefühl, dass er sie wirklich töten würde, ohne große Gewissensbisse zu empfinden. Ich glaube, er ist so fanatisch, dass er jedem aus seiner Familie bedenklos Schaden zufügen würde.
    Das lässt die Angst um Raschid nicht kleiner werden ...

  • RE: 1. Eindruck des BuchesDatum10.02.2010 23:42
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 1. Eindruck des Buches

    Ja, auf jeden Fall!

    Ich hatte mir auch Karten von Spanien angeschaut, aber zu anderen Zeiten, da war Kastilien noch kleiner. Hier ist das ja schon ein Großteil von Spanien.

  • RE: 4. Abschnitt Seiten 108 - 156Datum12.02.2010 19:58
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 4. Abschnitt Seiten 108 - 156

    Hallo Lea,
    du schriebst:
    "ich hätte jetzt die ausstehende Antwort bzgl. des Bilderverbots - aber ich weiß nicht mehr, in welchem Abschnitt wir darüber geredet haben. Weißt du es noch?"

    Im 5. Abschnitt, in Kapitel 7, wo Zahra bei Boabdil ankommt, hatte sie die Gemälde gesehen, auf denen Menschen und Tiere abgebildet waren. Und ich fragte mich, wie das heute ist mit Zeitungen, Fotos usw.
    Meinst du das?
    Dort hattest du ja schon einiges dazu geschrieben ...

    By the way: Die Zitatfunktion im Forum scheint nicht wirklich zu funktionieren ... *lach*

    Da kommt sowas bei raus:

    Zitat
    zitat zitat zitat ..

  • RE: 6. Abschnitt Seiten 229 - 320Datum12.02.2010 20:36
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 6. Abschnitt Seiten 229 - 320

    Ich habe den Abschnitt noch nicht komplett gelesen, deswegen habe ich auch die Beiträge über diesem noch nicht gelesen ...
    Hole ich aber definitiv nach, wenn ich soweit bin.
    Die nächsten Tage werde ich wohl nicht wirklich dazu komme, hier zu schreiben.
    Muss übers Wochenende mal wieder meine Eltern besuchen. Meine Mutter hatte eine Operation, mein Vater hat sich bei dem Glatteis eine Rippe gebrochen usw. Da werde ich wohl erst Montag wieder online sein.

    Aber ein Kapitel habe ich am Mittwoch schon gelesen, und deswegen schreibe ich meine Gedanken dazu schon mal auf.

    Zuerst mal geht es um Leonors Krankheit, von der sie sich glücklicherweise wieder erholt (dank Tamus Hausmittelchen, das ja dann auch die gebührende Anerkennung findet) und um ihre Schwangerschaft. Das kam jetzt schon überraschend. Ich hatte mir über Leonors Alter nicht wirklich Gedanken gemacht. Aber da Zahra ja auch schon 16 oder 17 ist, hatte ich damit nicht gerechnet. Am Ende des Kapitels wird der kleine Mahdi geboren.

    Zahras 1. Begegnung mit Ibrahim (mit dem Armreif) verläuft ja schon nicht schön, aber während des Spaziergangs ist er wirklich widerwärtig! Aber ich denke, dass sie ihm schon irgendwie entkommen wird.

    Dann geht es von der persönlichen Ebene wieder auf die politische. Die Kastilier fassen den Plan, Loja zu erobern, Ali Al-Attar zum Trotz. Oder auch gerade wegen ihm. Wir erfahren, dasss Gonzalo und Miguel Freunde sind. Da Miguel bei seinem ersten Auftauchen während des Siegeszuges der Mauren immer als sklave beschrieben wurde, hatte ich damit nicht gerechnet, dass auch er aus einer wohlhabenden Familie stammt. Aber klar, dass die Mauren besonder solche Leute als Gefangene oder geiseln nehmen würden. Da hatte ich mir wohl irgendwie vorschnell ein falsches Bild von ihm gemacht.
    Es folgt die Schlacht um Loja, in deren Verlauf Miguel gefangen genommen wird. Zahra hilft ihm mit Kräutern, und hat bestimmt schon den Vorsatz, ihn noch einmal zu befreien (schließlich sagt sie, dass sie heute nacht wiederkommen will, und mutig genug ist sie ja). Da entdeckt sie Gonzalo unter den Gefangenen ...
    Bin ja schon mal gespannt. Aber Zahra und Hayat werden da sicher was tun ...

    @Lea: Mir fiel noch was lustiges auf:
    Bei meinVZ.de (ist einfach nur ein anderes Social Network als Facebook, nichts besonderes) gibt es die Möglichkeit, lustigen Gruppen beizutreten, meist einfach aus Quatsch. Jedenfalls bin ich dort der Gruppe beigetreten "Leute, die Sätze gerne mit drei Punkten beenden... ", weil ich über den Titel lachen musste, und weil mich dort wiedererkannt habe. Ich mache das wirklich oft ...
    Kann es sein, dass das auch eine Gruppe für dich gewesen wäre ... ?

  • RE: 5. Abschnitt Seiten 157 - 228Datum12.02.2010 21:31
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 5. Abschnitt Seiten 157 - 228

    Danke schön für diese umfassende Aufklärung!!!

  • RE: 6. Abschnitt Seiten 229 - 320Datum12.02.2010 21:33
    Foren-Beitrag von DirtyHarry im Thema 6. Abschnitt Seiten 229 - 320

    Danke schön!
    Ich nehme das Buch vorsichtshalber mal mit nach Ostfriesland. Vielleicht ergibt sich ja hier und da ein halbes Stündchen ...
    Außerdem bin ich ja neugierig, wie's weitergeht.

Inhalte des Mitglieds DirtyHarry
Beiträge: 57
Ort: Münster
Geschlecht: männlich
Seite 1 von 3 « Seite 1 2 3 Seite »
www.herzgedanke.de + www.herzgedanke.wordpress.com
Besucher
0 Mitglieder und 5 Gäste sind Online:

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: diana
Forum Statistiken
Das Forum hat 133 Themen und 1898 Beiträge.




Xobor Ein eigenes Forum erstellen